Rundgang durch das Greivenschloss:

1A -Burgrabe    1B -Ringmauer.  2 -Ehemalige Zugbrücke   3 -Schlosstorgewölbe  4   -Burghof  5 -Bergfried  6 -Süd-Ost –Renaissanceflügel   7 -Süd-Ost-Eckturm  8  -Hauptlogist  Küche (a) das Backhaus (b),
 Mehlzimmer  Sälen (d) und (e) der Rittersaal Speicher“. Die Fassade zur Hofseite  9    -Der Westliche Eckturm („ Kapellenturm“) St Michaelskapelle.  10  -Nord-West-Renaissance-Seitenflügel, mit Haustür und Treppenhaus  11  -Ehemaliges Gesindehaus ( Dienstwohnung)  12  -Brunnen       13  -Die Remise      14  -Pferde – Kuhstall    15  -Hofteil  basse-cour$  16  -Taubenturm  17  -„steinerne Galerie   18  -Das „neue Haus“

  Beschreibung: 

1A  -BurgrabenGespeist vom Koericherbach, an der Nordseite in den Felsen gehauen, wurde im Notfall (Belagerung) oder bei der Gelegenheit (Fischzucht) möglicherweise durch ein Schleusensystem unter Wasser gesetzt. Zur schlechten Jahreszeit war der Graben versumpft (1681: „ anjetzo gantz verwuss und verdorben“) zur Sommerzeit diente er wohl als Trockengraben (glacis, Zwinger).

10-12 m breit, heute trockengelegt und zugeschüttet bis auf geringe Reste im Südosten der Burg (die im Plan eingetragene. Äußere Abgrenzung ist z. T: fiktiv, anlässlich einer archäologischen Untersuchung könnten Tiefe, Breite und Form des Grabens genau bestimmt werden (vgl. Wasserburg Pettingen).

1B -Ringmauer.  Ihre Höhe dürfte etwa 6 m erreicht haben, ab Hofniveau. Auf jeden Fall überragte sie die verzierten Ecksteine des Bergfrieds nicht. An sehr gefährdeter Nordseite fehlten seltsamerweise die im Süden zu sehenden Ecktürmen. Eine handgezeichnete Landkarte (um 1750) zeigte wohl 4 hervortretende, runde Ecktürme. Dieses siglum setzte der Autor jedoch stereotyp bei allen Talburgen ein. Die Mauerdicke beträgt am Tor etwa 2,60m. Die Mauer war möglicherweise mit Laufgang, Zinnen, Schissscharten u.dgl. bestückt. 1716 existierte an der Nordmauer noch eine „steinerne Galerie“ Eine Blendarkade mit Rundbögen oder Tragsäulen trug wohl den Wehrgang. In etwa 15m Entfernung befindet sich hoch liegende Felsmassen, auf denen die Strasse Goeblingen- Koerich verläuft.

2 -Ehemalige Zugbrücke Erreichbar über einen auf Holzpfeilern ruhenden Zugang, um 1580 durch Steinbrücke ersetzt. Diese war schon gegen Mitte des 17. Jahrhunderts teilweise verfallen. 1864, noch gut sichtbar und wahrscheinlich auch noch heute z..T. unter dem Schutt erhalten. Neben dieser Brücke befand sich eine zweite, schmale Zugbrücke, die einzige Poterne (P) bediente  

3- Schlosstorgewölbe  Ehemals mächtig, mit Fallgitter. Die Verriegelungs-Führung der Pforte, ist noch in den Mauersteinen am Bergfried zu sehen. Darüber befand sich ein Wappen aus 1585 datiert, der zierliche Bogen mit der Jahreszahl 1303 ist eine Zutat aus den Jahren 1805/07. Direkt rechts daneben befand sich eine noch erkennbare Poterne (P) Diese wurde wahrscheinlich 1585 zugemauert, als das „Neue Haus“ (18) an der Stelle der früheren Wachstube errichtet wurde.

4- Burghof    Ort der Jahrgedinge und des Gerichtes innerhalb der Ringmauern. M:E: Dunan meint „La cour intérieure est divisée en deux parties, dont l’une sert de basse-cour. “ Die Autoren sehen die ebene Fläche zwischen dem Tor und dem 1789 entstandenen Pächterhof ( im Osten) als Vorburg an. » Basse-cour“ bedeutet also sowohl: Auslaufwiese für die Haustiere (Pferde) als auch Schutzhof vor der eigentlichen Burg mit Wall, Palisaden und Dornengestrüpp (Vgl. Bering der Dorfkapelle von Pettingen, direkt neben der dortigen Talburg).

5- Bergfried   12x11, 60m, erhaltene Turmhöhe etwa 11m. Vermutete Gesamthöhe 25-28m Mauerdicke, an der Westseite 3, 10m, an der Ostseite:3,20m:einer der mächtigsten Wehrtürme in Luxemburg. Zum Vergleich; Burglinster 18 x 14m, Useldingen (ursprünglich ) 9, 20x 7, 60m. Sogar verschiedene Wohntürme sind nicht viel größer: Mersch: 12x12, 50m, Hollenfels 14x12, 20m .

Errichtet um 1200, in massiver Bauweise, dem spätromanischen Zeitgeist entsprechend. Um 1300, wurde der Bau mit einem gottischen „ Mantel“ versehen, verzierende Eckbuckelquader mit Randschlag (siehe Abb. Auf der  vorigen Doppelseite) wurden an den Kanten in einer bestimmten Höhe, oberhalb des Niveaus der Ringmauer wiederverwendet. Die Verzierungen sind weder Symbole noch Geheimzeichen sondern reine Dekoration ( Vgl innere Toranlage von Ansemburg) Der Turm ist in die Ost-Ringmauer integriert und beherrscht die Toranlage . Der Eingang liegt in 4,50 m Höhe, im ersten Stockwerk, am weitesten vom Tor entfernt. Der Zugang erfolgt über den Wehrgang der Ringmauer, dann über einen Holzsteg, der sich im rechten Winkel zur Mauer befand. Ab 1585, konnte der Bergfried vom ersten Stockwerk des neuen Ost-Renaissanceflügels erreicht werden, möglicherweise über einem Balkon. In derselben Zeit, wurde ein neuer Wappenstein als Türsturz über den Eingang gesetzt.. Die höher liegenden Stockwerke wurden von einem runden, aus der Innenmauer herausragenden Treppenturm mit Wendeltreppe erreicht. Über eine hölzerne Treppe, die auf einem steinernen Wulst auflag, konnte man in das Verlies hinabsteigen, das nicht unterkellert war. Die Mauern verjüngten sich im Innern auf den höheren Stockwerken. Der tiefliegenden Fronteingang ist modern. Unklar bleibt die Funktion eines sogen.gotischen „Rücksprungs“ an der westlichen Außenwand, sowie eines Entlastungsbogens seitlich davon, in etwa 2m Höhe. An der Südwand, knapp über dem ( augenblicklichen ) Niveau des Hofes, erkennen wir einen quadratischen Luftschacht des Kerkers. Über das Aussehen des Turmes in den höheren Lagen (Fenster, Schiessscharten, Zinnen, Bedachung) können wir nur Vermutungen aufstellen.

6- Süd-Ost –Renaissanceflügel    Überdeckt den früheren Wehrgang, dieser Bau ist heute zum größten Teil abgetragen. An den Außenmauern entdeckt man noch Spuren von spätgotischen Gewölbe, sowie Renaissance-Fenstern. Eine der Türe, deren Ansatz noch erkennbar ist, führte zum Hauptwohngebäude.

7-Bastioartiges Süd-Ost-Eckturm    Gegenstück des noch erhaltenen S-W-Turmes, wurde bis auf wenige Reste 1786 abgetragen

8-Hauptlogist ( Wohnbau) im Süden   Ursprünglich gotischer Wohnbau, mit kleinen nur nach dem Hof weisenden Fenstern (1380). Genau 200 Jahren später, werden große Renaissancefenstern mit Steinkreuzen eingesetzt, auch nach außen hin. Im 18 Jahrhundert werden der damaligen  Mode entsprechend , die heute noch an der Außenseite zu sehenden Barock-Fensterrahmen eingesetzt. Zur Hofseite hin blieb ganz links ein Renaissance- Fenster im 1. Stockw, erhalten. Diese letzte größere Umänderung fand 1728 statt. Ein auf der Aussenmauer des Süd-Westurmes liegengebliebenes Gesimstein „ in situ“ zeigt uns auch die ursprüngliche Höhe des Hauptwohnbaus. Die Ausmaße des Hauses sind beachtlich. Im Innern misst man immerhin 33 x 11 m. Das ganze Gebäude ist unterkellert. Der Keller ist noch heute unterteilt im mehrere ungleich große Räume durch die Tragmauern der darüberliegenden Stockwerke. Er ist abgedeckt von einem mächtigen flachen Tonnengewölbe das auf Gurtbögen ruht. Das Niveau des Kellers und das seiner Außenwände mussten notgedrungen über dem Wasserspiegel des Grabens liegen. Nur so konnte der Keller trocken bleiben, im Gegensatz zu manchen Kellern der umliegenden Privathäuser, die im Sandstein eingebettet, viel unter dem Sickerwasser zu leiden Haben. Der Zugang zum Keller erfolgte ab Binnenhof, vielleicht bestand auch eine Stiege in der Küche.  Im Erdgeschoss befanden sich von Osten nach Westen folgende Räume:    a, an den Ost-Eckturm angebaut, die Küche (a) , an deren Ost-Außenwand befindet sich ein schlecht konstruiertes, einfaches Fenster mit der Jahreszahl 1652. Darunter stand wahrscheinlich der Spülstein. Rechts stand die „Haascht“ mit 2 Feuerstellen. Dann folgte das Backhaus (b), dessen Backofen denselben Abzug benutzte wie die „ Haascht“ sich also an der linken Seite befand. Im Süden des Backhauses (c) lag das Mehlzimmer (Spenchen), von dem die Abgänge des Tonnengewölbes noch zu sehen sind. Dieser Vorrateraum war sowohl von der Küche wie vom Backhaus aus zu erreichen.. Durch den Saal(d) mit Balkendecke, erreichte man den größeren, gewölbten Saal €, an dessen linker Seite befindet sich in der Querwand ein Kamin, dessen „Talk“ den vorgenannten Raum erwärmte.

Möglicherweise war auch ein Kaminofen vorhanden. Ganz rechts befinden sich das „Gemach“ (f) die Empfangshalle, die mit einer Balkendecke versehen war. Im ersten Stockwerk befand sich über den Sälen (d) und (e) der Rittersaal hier war die in der Mitte verlaufende Trennwand vermutlich mit einer sehr breiten Öffnung versehen, die noch genügend Platz für das Kamin ließ.

( Der Ansatz dieser Tür ist noch erkennbar). Die wohl ursprünglich vorhandene Wandbemalung ist auch in Spuren nicht mehr zu sehen Über dem Backhaus und dem Mehlzimmer befand sich ein geheiztes Doppelzimmer, ein weiteres „ Feuerzimmer“ lag über der Küche. Der Speicher erstreckte sich über das ganze Gebäude und hatte vermutlich zwei Etagen, denn über den 5 kleinen rechteckigen Fenstern unterhalb der „Corniche“ befanden sich „ Dachgauben“ . Die Fassade zur Hofseite von der Mitte aus befanden sich zu beiden Seiten jeweils 2 Fenstern, sowie eine kleinere Tür an der rechten Seite. Auf der Höhe des ersten Stockwerkes, vor dem Rittersaal zog sich ein Balken hin, mit den Massen 1,47x15, 34m. Dabei ragte in der Mitte eine flache Loggia heraus, rechts davon waren 2 Barockfenster, links ein Barock- und ein Renaissance-Fenster. Ganz rechts war eine Balkontür.

Um 1740 war das Gebäude noch bewohnbar, 1864 war es noch vollständig überdacht. Mangels Unterhalt stürzte es dann zu Beginn unseres Jahrhunderts  bis auf die Südmauer zusammen. Um die Kellergewölbe zu schützen, wurde unglücklicherweise eine Betondecke über den Fußboden des Erdgeschosses gelegt. Diese Decke liegt etwa 50 cm höher als der ursprüngliche Estrich.

9 bis 18

9- Der Westliche Eckturm („ Kapellenturm“) Der Turm ist trotz einer gewaltigen Bresche noch zum größten Teil erhalten.

ER ist unterkellert. Im Erdgeschoss befindet sich die St Michaelskapelle.

Dies ist relativ selten, gewöhnlich befinden sich Burgkappellen in der oberen Stockwerken. Der Zugang erfolgt ab Burghof durch die Empfangshalle, so das das „gemeine Volk“ die Gemächer des Burgherrn nicht betreten kann. Die Kapelle wurde sowohl für Kulthandlungen als auch für militärische oder profane Zwecke benutzt: -der Altar war geostet- Schiesschartenu. A. eine sogen. Hosenscharte durchbrechen die Wände  mit Wappenschilden verzierte Abgänge von Gewölberippen bezeugen eine gotische, überwölbte Decke –zwei recht einfache gotische Fenster blicken nach norden. Beim Renaissance-Umbau von 1585 ließ man den Kapellenraum wohl in seinem ursprünglichen Zustand. Aufgrund ihrer Lage, schien die Kapelle nicht besonders gut unterhalten worden zu sein. So lässt im Jahre 1757, Pfarrer Ningels folgendes Protokoll ausfertigen:

 „Der ehrwürdige N.Molitor Capellan und Künstler zu Koerich, sagte, das das Ort nicht allein für eine Capelle kann gehalten werden, sondern sogar für das allerschlechteste Oratorium, da nichts zu finden ist, dann es ein Gotteshaus sei, so anzuzeigen sollte: nicht allein weil es mit keinem Ornamenten zum hl. Messopfer versehen ist, sondern eine Langezeit ohne Fenster und Tür war. Nur befindet sich daselbst ein mit Stein gemauerter  Altar- Dieses Ort haben die Hofleute so wenig für ein Gotteshaus gehalten, dass sie es benutzen um ihren Hanf, Flachs uns sonstige allerhand drin zu legen. Neben musste man bis zum Eingang dies Orts zwei Pforten, drei Türen durchpassieren und salva venia einen Schweinestall durch wessen Gestank, die ein und ausgehend verpflichtet seine Nasen zuzuhalten. Das nämliche Ort sei auch zu klein das es baleibe die Halbscheid der Pfarrkinder von Koerich nicht fassen kann- Dies Umstand tun den Zeugen glauben, dass es keinem Priester erlaubt sein in diesem Ort die hl Messe zu halten, absonderlich weil durch das Tridentinum und anroch durch eine Bulle Clementis XV vom 15 ten Xbris, dies ausdrücklich verboten ist“—

Im ersten Stockwerk war ein Wohnzimmer, ein sehr schöner Kamin mit Wappen und Jahreszahl 1585 hängt dort in gefährlicher Position. - Im Innern des Turmes verjüngen sich die Mauern pro Stockwerk. Vom Keller bis hinauf zum Speicher, sind Renaissance-Schießscharten, mit Einzelöffnungen für leichte Feuerwaffen so angebracht, dass sie jeweils im geeigneten Winkel den Graben bestreichen können. Noch 1684, war das Bauwerk überdacht. An den Außenwänden, sind mehrere kleine quadratische Vertiefungen zu erkennen: es handelt sich hierbei z.Teil um Schießscharten oder aber um „ Rüstlöcher“.

10-Nord-West-Renaissance-Seitenflügel, mit Haustür und Treppenhaus  Der Ansatz der Treppe ist an den Wänden noch erkennbar, sie bediente das obere Gemach im Hauptwohnbau, das Kaminzimmer im Kapellenturm und das Nord-West-Gebäude.

Vom 1. zum 2.Stockwerk führten 18 Stufen. Außerdem gab es daneben mehrere große Wohnräume  übereinander (b), der Keller war vom Hof aus zu erreichen. An der Nordwand befindet sich der Rauchabzug eines Kamins, während sich in der Mitte eine später errichtete Trennwand erhebt.

In der Außenmauer stehen noch gut erhaltene Renaissance-Fenster mit Steinkreuzen zur Hofseite haben die Fenster Barockrahmen. Das Gebäude diente zeitweise bis 1789 als Wohnung des Verwalters.

11- Ehemaliges Gesindehaus ( Dienstwohnung) Schon gegen Mitte des 19. Jahrhunderts zum größten Teil zerstört. Am Giebel des Nordwest-Renaissanceflügels ist noch die Dachhöhe auszumachen

12- Brunnen    Vermutliche Lage  des Brunnens dessen Kettenwalze mit einem Rad versehen war, „le puits pourvu d’une roue et de seaux“

13- Die Remisezum Unterstellen der Kutsche  

14 -Pferde – Kuhstall 

Mit querverlaufender Trennwand, 2 Futtertrögen und 4 Raufen, sowie Scheune und Schäferei , 1864 sind die charakteristischen, scheunentorähnlichen Öffnungen noch zu sehen, flankiert von kleinen quadartischen Fenstern und einer schmalen Stalltür, heute ist das ganze Gebäude vollständig verschwunden

15 Hofteil  basse-cour$

16- Taubenturm

In seinem unteren Teil befand sich ein Hünerstall mit Fenster

17 -„steinerne Galerie

= Strebpfeiler mit Bögen zum Tragen des Wehrganges der Nord-Ringmauer, die Galerie wurde noch 1660 repariert, ist jedoch schon einige Jahre später von französischen Truppen „verdorben „ worden.

18 – Das „neue Haus“

Wurde 1850/85 errichtet, 10 Jahre später war das Dachwerk schon verfault, es wurde dann von den französischen Soldaten gebrandschatzt. Es stand noch einige Zeit ohne Dach und ist 1864 gänzlich verschwunden


 

 

 

 

Kontakt

das Gréiveschlass und die Schlösser von Bourscheid und Brandenburg aus der Vogelperspektive

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