VON DER EISCH

Artikel im Tageblatt 1948

Aus Körichs vergangenen Tagen
Im Gegensatz zu den Gemeinden Steinfort und Hobscheid, die sich teils unter dem Einfluss der Verhältnisse (Freiheits- Urkunden). teils durch die Entstehung verschiedener Industrien zu modernen Agglomerationen entwickelt haben, behielten die Gemeinden Koerich und Simmern, die nicht nur völkisch, sondern auch wirtschaftlich und räumlich rund 800 Jahre lang als Hörigen Gemeinden im Dienste mächtiger Herrschaften standen, größtenteils ihren mittelalterlichen Charakter, den sie heute noch aufweisen. Beide sind im oberen Eischtal die Haupt- Anziehungspunkte auf dem "Pfad der 7 Schlösser". Der Bach der murmelnd seine Wasser am Fuße des geborstenen Gemäuers des Grevenschlosses in Koerich vorbeiführt, war seinerzeit ein unbändiges Kind. Damals war die Talmulde nur ein großer Morast, aus dem, wie die Überlieferung berichtet, ein römisches Kastell hervor- ragte.. Eine Beschreibung dieses Grevenschlosses mit seinen Dependenzien, Eingangstor, Pförtnerwohnung, Vorhof, Gärten, Taubenschlag, Scheune. Pferd-, Kuh- und Hühnerstall, Bäckerei, Michelskapelle etc. finden wir in den Archiven von Guirsch unterm Datum vom 24. 4. 1765. die von den Mayern, Schöffen und Dorfältesten aufgestellt wurden. Das Schloß war noch sehr gut erhalten, doch in seinem  Äuβern vernachlässigt. Die Beschreibung beginnt folgendermaßen: Erstlich ist Groevenschloss gelegen im Dorf Korig, zwischen dem Wasser und dem gemeinen  Weg. im Ort, in der Stelling" genannt, ziemlich der sonnen genießend; ist rings herum mit einer ungleich großer und hoher mauer von 12, 15, 20, und auch biss auf 30 Lambertinische schuhe in die hohe umgeben; ermelt Mauer ist alt und in vielen Örtern baufällig, in etlichen auch erneuert, ermelte um gemelten Schloss und Vorhof rings herum gemessen, in- haltet 1350 lambertinische schuhe in die Länge usw. Damaliger Besitzer war Lambert-Josef de Marchant, der kurz vorher, am 1. 10. 1749 von Marie-Theresia in den Grafen- stand, während die Herrschaft Koerich zu einer Grafschaft, erhoben worden. Ob- gleich Lambert-Josef Besitzer der Doppelherrschaft Koerich war, verlegte er seinen Wohnsitz nicht dorthin, sondern hielt an dem Schlosse seiner Ahnen zu Ansemburg fest. Da zur Römerzeit in Koerich sich ein kleines Kastell befand, ist es natürlich, daß von dort aus nach Steinfort zur groβen Heerstraße Arlon Trier ein diverticulum, ein Seitenweg, führte. Alte Namen deuten anscheinend noch heute dar- auf hin. Von Goeblingen nach Koerich geht der “Stengerches We", der "Weide We". Wo der Bach sich hinzieht, in der Nähe. der Burgruine, heißt der Ort am "Furt". Dort befand sich ebenso wie in Steinfort eine steinerne Furt, die zur andern Seite über den "Stenesch We" nach Hagen u. Stein- fort hinführte. Stengerches We und Stenesch We bedeuten wohl dasselbe und zeigen darauf hin, daß hier zur Römer- zeit ein mit Steinen belegter Weg bestand. Zur Keltenzeit mag übrigens schon eine Siedlung in Koerich gewesen sein, da in der “Schocken Höhle", die auf dem Wege nach Windhof gelegen ist. Überreste eines kleinen Schmelzofens gefunden wurden. Ein anderer Weg verband Koerich mit Arlon, worauf zur Steinforter Seite hin beim "Fraschtenhof" der Name "Areler-Gronn" und etwas weiterhin die Bezeichnung "Areler Bierg" hinweisen. Der "Kiem" Arlon Steinfort wurde nach und nach verlassen und ersetzt durch diese Seitenwege, wie es auch links von der Straße Steinfort-Arlon der Fall war und der Weg über Niederelter-Barnich- Sterpenich führte. Weshalb hat man übrigens unter Marie-Theresia die alte Römerstraße nicht benutzt, was doch an manchen Stellen das Verschieben von Boden sowie das Anlegen von Schluchten durch harte Felswände vermieden hätte, da selbe sich durch das Tal hinzog? Der Morast inmitten der Ortschaft Koerich, der von dem "Fockegart" dem Abhang, wo man bis Mitte des vorigen Jahrhunderts noch Mauerreste des Fockenschlosses fand, und der bis an den Fuß des Hügels stieß, der die Kirche trägt, sich bis zur heutigen Gastwirtschaft Decker mit dem alten "Brauhäuschen" des Schlosses hinüberdehnte, war zur Errichtung von Häusern natürlich hinderlich, so daß die Hänge an den erwähnten alten Wegen entlang, und zwar auffallender Weise mit der Vorderseite nach Süden bebaut wurden. Diesem Umstande mag auch die in der Siegfrieds- sage enthaltene Bedingung zu verdanken sein, die Siegfried dem Teufel stellte, als er ihm seine Seele verschrieb, und die darin bestand, eine schnurgerade Straße .von Koerich nach dem Bockfelsen zu bauen, die auch nicht die mindeste Krümmung haben dürfe und mit Wacken gepflastert sein müsse, damit sie nicht staubig und kotig würde, so daß der Graf sein Vieruhrbrot in Koerich und das Abendessen in Luxemburg einnehmen könne. Eine andere interessante Wegbezelchnung erscheint uns noch erwähnenswert: "Um Randlinger We". Dieser im Laufe der Jahrzehnte teilweise zum Feldwege herabgesunkene, teils verschwundene Weg, da er links der Luxemburgerstraße im Felde verläuft, hat das eigenartige Merkmal, daß er den Namen einer Ortschaft weiter trägt, die noch besteht, aber ihren Namen eingebüßt hat. Randlingen ist nämlich jener Häuserkomplex, der bei Hagen rechts der Eisch gelegen ist und dessen Verbindungsweg mit der Luxemburger Straße seine natürliche Fortsetzung im "Randlinger We" findet. Der Sage nach ist Koerich die Wiege Luxemburgs. Wenn es auch manchen Koericher verdrießen mag, daß Siegfried nicht dort gewohnt hat, so mögen alle stolz sein auf die bewundernswerten Zeugen vergangener Zeiten, um die manche Großstadt oder manches Museum sie beneiden könnte und die sie ihr Eigen nennen dürfen. A. B.

Quelle:   http://www.eluxemburgensia.lu

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