Geschichte

Nach neuesten Erkenntnissen basierend auf den rezenten Ausgrabungsarbeiten im Schlossareal war es Godfrid II, Herr von Koerich, von Bertringen und oberster Ritterrichter der Grafschaft Luxemburg, der um 1338 die erste Wasserburg in Koerich erbauen ließ.

Der quadratische bis in 10 m Höhe erhaltene massive Wohnturm an der Ostseite der Burg gehörte bereits zu dieser ersten Anlage. Im Volksmund "Hexenturm" genannt, ist er wie auch die Außenmauern im spätromanischen Stil. Mit einem Grundriss von 12 x 11,6 m und einer Mauerdicke von 3 bis 3,5 m gehört der Burgfried, dessen Originalhöhe auf einst 25 bis 30 m geschätzt wurde, zu den mächtigsten Schlosstürmen der Region. Erhalten ist eine steingemauerte Rundtreppe im oberen Turmabschnitt.

Die 15 m breiten Gräben der Wasserburg, die das gesamte Burgareal umschlossen, speiste der Goeblingerbach.

Um 1481 erfolgte unter Schiltz II von Elter ein erster Umbau des herrschaftlichen Bereiches der Burganlage in gotischem Stil. Im Zuge dieser Arbeiten wurde das lange rechteckige Palas-Gebäude errichtet. Ende des 16. Jahrhunderts unternahm der neue Besitzer Jacques II de Raville beträchtliche Umbauarbeiten im Renaissance-Stil. Unter seiner Anleitung entstand ein feudaler Herrensitz mit repräsentativen Schlossbauten: dem Palas, dem großen Treppenhaus, der Kapelle sowie den zwei rechtwinkligen Türmen in der Südfassade. Heute besteht nur noch der Süd-West-Turm. Im Erdgeschoss befindet sich die dem Heiligen Michel geweihte Kapelle, die ihm die Bezeichnung "Kapellenturm" einbrachte. Im ersten Stockwerk war die Kammer der  Wachmannschaft.

Von dem einstigen Prunk zeugen heute nur noch der tattliche Kamin des ersten Stockwerkes aus dem Jahre 1585 sowie die großen Fensteröffnungen. Auch sind noch verschiedene militärischarchitektonische Bauelemente erhalten. Um 1728 wurde der meridionale Flügel nochmals umgebaut und zwar im Barockstil.

Den Beinamen Grafenschloss (Gréiveschlass) verdankt das Koericher Schloss dem Freiherr Lambert-Joseph von Marchant und Ansemburg, Herr zu Körich, welcher am 1. Oktober 1749 durch die Kaiserin Maria- Theresia in den Grafenstand erhoben wurde. Mitte des 18. Jahrhunderts verließen die Burgherren das zum Teil schon baufällige Schloss, das aber weiterhin bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Bauernhof genutzt wurde. Mangels Unterhaltsarbeiten wurde das Schloss schließlich unbewohnbar. Der letzte private Besitzer, Pierre Flammang, unternahm ab 1950 verschiedene bauliche Sicherungsarbeiten um dem Verfall Einhalt zu gebieten.

Die Schlossruine, die sich im Besitz des luxemburgischen Staates befindet, wird zur Zeit größeren Instandsetzungsarbeiten unterzogen und soll ab 2015 wieder zugänglich sein und für kulturelle Zwecke zur Verfügung stehen. 

Artikel  aus dem Tageblatt 1943-07-08

Die Familie von Rollingen.
Ihre Bedeutung für die Geschichte des Hauses Simmern und Ansemburg.

Der Gründer des z weiten Zweiges der Familie von Rollingen im Eischtal war der Ritter Georg, Bruder von Johann II. Er war Herr von Dagstul, Bensdorf, Rollingen; er besaß die Herrschaft Craenendonck, sowie die Hälfte von Simmern und Milberg, während die andere Hälfte dieser beiden letzteren Herrschaften auf Johann II. überging. Manche Ehrenstellen wurden dem Ritter Georg zuteil. So war er Propst von Luxemburg und Diedenhofen. Beim Herrscher des Landes stand er in großen Ehren; der damalige Herrscher übertrug ihm die Statthalterschaft (Truchseß) des Herzogtums Luxemburg und der Grafschaft Chiny. Zu seiner Lebensgefährtin hatte Georg das Edelfräulein Anna von Kastel erkoren, das ihm einen Sohn schenkte mit Namen Johann V.

Als einziger Sohn und Erbe fiel dem Ritter Johann V., nach dem Tode seines Vaters, unter anderem die Hälfte von Simmern zu, und durch seine Heirat mit Margareta von Sassenheim kam er auch inden Besitz der Herrschaft Anse mburg, wo seine Nachkommen fortlebten bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Zur Herrschaft Ansem-burg gehörten die Dörfer Ansemburg, Keispelt und Meispelt. Wenn Johanns Vater und Oheim hohe, Ehrenstellen einnahmen, so war dies nicht der Fall für diesen Herrn von Ansemburg, der nur einfach Beisitzer des Adelsgerichtes war. Auch wäre er uns nur wenig bekannt, wenn sein Name nicht in zwei wichtige Prozesse verwickelt gewesen wäre Im Namen seiner Gemahlin Margareta fordert er nämlich, im Jahre 1466, von Johann von Bolchen- Herrn zu Zolwer, die Entrichtung einer jährlichen Rente von 55 Maltern Weizen, 17 Maltern Hafer, 3 Ahmen Wein. 10 Pfund Denare und 2 Schweinen. Da aber der Herr von Zolwer sich weigerte, kam die Sache vors Adelsgericht. Hier behauptete der Kläger, die fragliche Rente sei früher seinem Schwiegervater Robert von dem Vater des Ange klagten entrichtet worden, und es bestehe hierüber eine Urkunde. Der Herr von Zolver gab vor, die betreffende Rente sei nie entrichtet worden. Hier- auf erkannte das Gericht dem Herrn von Ansemburg die Rente von 17 Maltern Hafer zu, wies ihn aber mit den übrigen Forderungen. ab. In dem zweiten Prozess handelt es sich um das Recht der hohen Gerichtsbarkeit. Im Jahre 1471 ließen Johann V. und sein nachbezeichneter Sohn Wilhelm II. die Leiche der Frau des Müllers Thielmann von Redingen a. d. Attert, welche Selbstmord verübt hatte, zu Simmern an den Galgen hängen. Da aber Redingen zu jener Zeit unter der Gerichtsbarkeit des Propstes von Arlon stand, machte dieser seine Rechte geltend und lud die beiden Herren von Rollingen vor den Provinzialrat zu Luxemburg. Die Beschuldigten gaben an, der Vorfall habe sich während ihrer Abwesenheit ereignet, und die Exekution sei durch ihren Amtmann und ihre Untertanen vollzogen worden, ohne dass diese von ihnen dazu ermächtigt worden wären. Auch behaupteten sie, das Ereignis habe in der Herrschaft Simmern stattgefunden, über deren Bewohner ihren Ahnen die hohe Gerichtsbarkeit zuerkannt worden sei. Sie hätten übrigens in Redingen schon öfters von der Obergerichtsherrlichkeit Gebrauch gemacht, selbst in demjenigen Hause, wo der fragliche Fall vorgekommen sei. Obgleich der Ausgang des Prozesses uns unbekannt ist, so ist doch zu vermuten, dass die Herren von Rollingen verurteilt wurden, denn als sie aufgefordert wurden, ihre Aussage durch Belegstücke zu beweisen, waren sie gewiss nicht in der Lage. dies zu tun, da Graf Johann der Blinde, im Jahre 1312, den Herren von Simmern sowie deren Nachkommen und Erben die hohe Gerichtsbarkeit nur über die Bewohner der Pfarrei Simmern gegeben hatte, es müsste denn sein, dass die Herren von Rollingen die Urkunde von 1339 vorgezeigt hätten, laut welcher die hohe Gerichtsbarkeit über die Untertanen der ganzen Herrschaft ausgedehnt wurde und das Gericht diese für richtig gefunden hätte, obgleich sie, wie durch van Werveke nachgewiesen wurde, auf einer Fälschung beruht.
Johann V. starb zwischen 1471 und 1476. Sein Sohn Wilhelm II wählte im Jahre 1491 zu seiner Lebensgefährtin Elisabeth von Fels. Wie bereits erwähnt wurde, hatte Wilhelm sich die hohe Gerichtsbarkeit über die Einwohner von Redingen widerrechtlich angemaßt. Desselben Vergehens machte er sich später noch zu Keispelt schuldig, wo die Obergerichtsbarkeit dem Propste von Luxemburg zustand. Um seine Rechte aufrecht zu erhalten, lud dieser den Herrn von Ansemburg vor den Provinzialrat, der sich 1525 zu Gunsten des Propstes aussprach. Sein Sohn Bernard wurde sein Haupterbe. Er kam in den Besitz der Herrschaft Ansemburg, eines Viertels von Simmern, sowie eines Teiles von Dagstul, Rollingen und Milberg. Wie sein Vater war er Beisitzer im Adelsgericht. Er lebte noch 1554, in welchem Jahre er jedoch zum letzten Mal in den Urkunden erwähnt wird. Von seinen Kindern ist besonders bekannt Jakob II. Jakob II. vermählte sich am 2. März 1564 mit Margareta von Bettstein in Lothringen. Zu den bedeutendsten Besitzungen, die ihm sein Vater hinterlassen hatte, fügte Jakob noch andere hinzu, unter denen wir vor allem  die Herrschaft Körich erwähnen wollen.


die Herrschaft Körich

Nachdem Jakob in den Besitz von Körich gekommen war, gedachte er hier seinen bleibenden Wohnsitz zu nehmen, aber das alte Grewenschloß, das von unserm Grafen Siegfried (950) herstammen soll, fand er nicht nach seinem Geschmack. Dasselbe hatte im Laufe der Zeit durch Krieg und Belagerung viel zu leiden gehabt, war ziemlich verfallen, und den früheren Besitzern besonders den unmittelbaren Vorgängern Jakobs, war es unmöglich gewesen, dasselbe wieder instand zu setzen. Deshalb ließ der Rollinger Herr die altehrwürdige Burg niederlegen und ein neues sehr geräumiges und ziemlich modernes Schloss errichten, von dem die heutigen Ruinen herrühren. Wenn Jakob auch auf die Vergrößerung seines Vermögens und die Verschönerung seines Haushaltes bedacht war, so verlor er dennoch das Wohl seiner Heimat nicht aus dem Auge. Folgende zwei Begebenheiten seines Lebens liefern hierzu einen trefflichen Beweis.
Im Jahre 1577 hatte Luxemburg Einquartierung von deutschen Truppen, die unter der Führung des Generals Frundsberg und des Obristen Karl Fugger standen und sieben Fähnlein von je 200 bis 300 Mann bildeten. Den Truppen war seit längerer Zeit kein Sold mehr verabreicht worden. Hierauf verpflichtete sich Jakob von Rollingen mit Johann von Wilz und den Städten Luxemburg und Arel, die Summe von 65 000 Gulden rückständigen Soldes an das im Dienste des Kaisers stehende Fuggersche Regiment zu zahlen. In der Nacht vom 24. November 1597 versuchten die Franzosen, unter Anführung des Marschalls Biroh, die Stadt Luxemburg einzunehmen. Da die Besatzung der Stadt in diesem Augenblick nicht stark war, griffen die Bürger selbst zu den Waffen. An ihrer Seite kämpften unter andern Jakob von Rollingen und Christoph von Criechingen, beide Herren zu Simmern, die sich durch ihre Tapferkeit auszeichneten und somit zur Vereitelung von Birons Plan und zur Rettung des Landes rühmlichste beitrugen. Es ist demnach zu begreifen, dass Jakob in hohem Ansehen stand bei dem Grafen Peter-Ernst von Mansfeld, dem damaligen Gouverneur des Luxemburger Landes. Er ernannte den Herrn von Rollingen zum Propst von Ayel. Nachdem Peter Ernst von Mansfeld auf Lebenszeit die Nutznießung der nassauischen und oranischen Güter im Herzogtum erhalten, ernannte er ihn' zum Unterverwalter. Nach dem Tode des Herzogs von Parma übernahm, einer königlichen Verordnung gemäß, der Graf von Mansfeld die interimistische Statthalterherrschaft der Niederlande und ernannte unmittelbar nach seiner Erhebung Jakob von Rollingen zu seinem Stellvertreter im Herzogtum Luxemburg. Bereits 1560 wird Jakob als Mitglied des Provinzialrates zitiert. Im Jahre 1588 wurde er zum Präsidenten des Provinzialrates ernannt und am 22. März 1590 zum Ritterrichter. Diese beiden Ämter bekleidete er bis zu seinem Tode, der am 24. Oktober 1601 erfolgte, und zwar plötzlich, nachdem er noch einige Stunden vorher in einer Versammlung des Provinzialrates den Vorsitz geführt hatte. 


das Ende der Rollinger Herrschaft im Eischtal

aus dem Tageblatt 09.09. 1943

 Ihr Name gehört nur mehr der Geschichte an.

  Von den Nachkommen des Franz-Ernst ist urkundlich wenig bekannt: berichtet kann nur über Lothar-Friedrich und Johann-Philipp werden.

 Lothar-Friedrich kam in den Besitz der Erbmarschallswürde. Der Verlust ihrer sämtlichen Familiengüter im Eischtal ließ die Herren von Rollingen nicht schlafen; auch ging Lothar-Friedrich mit dem Gedanken um, die Herrschaft Simmern wieder in seinen Besitz zu bringen. Zu diesem Zwecke pflog er mit Thomas de Marchant  Unterhandlungen, die jedoch erfolglos blieben.

Hierauf richtete er sein Augenmerk auf ein anderes Familiengut, auf das von Körich. Am 22. Dezember 1714 kaufte er von seinem Vetter Johann-Ernst von Rollingen sämtliche Rechte auf Körich. Bevor es ihm aber gelang, benannte Herrschaft wieder einzulösen, hatte er mit der gräflichen Familie von .Suys, der Pfandinhaberin, von Körich, verschiedene Prozesse zu führen, die zu seinen Ungunsten aus- fielen. Unterdessen geschah es, dass sämtliche Pfandrechte auf die Herrschaft Körich der Gräfin von Lagnasko, einer geborenen Wallenstein und' Rechtsnachfolgerin der Gräfin von Suys. zu erkannt wurden. Mit dieser Dame setzte sich nun Lothai- Friedrich in Verbindung, was zur Folge hatte, dass die Gräfin von Lagnasko ihm, am 1. Dezember 1722, alle ihre Rechte auf die Herrschaft Körich verkaufte. Von diesem Augenblick an führte der Rollinger Herr auch den Titel "Herr von Körich". Lothar-Friedrich starb zu Mecheln. Seine Gemahlin ließ ein Inventar über die Aktiva  und Passiva der Hinterlassenschaft ihres Gatten durch den hoch- würdigen Johann-Franz Dethier, Schloßkaplan zu Körich und Sekretär des verstorbenen Lothar Friedrich, aufstellen.

 Maria Theresia Knebel von Katzenellenbogen und deren Bruder, Vormünder der noch minder- jährigen Kinder Johann-Philips von Rollingen, nahm das Vermächtnis der Herrschaft Körich nur unter Vorbehalt an. Nachdem die Bilanz der Hinterlassenschaft durch den kurmainzischen Regierungssekretär Peter Matthäi und den Advokaten Delahaye, welche die beiderseitigen Vormünder mit dieser Angelegenheit betraut hatten, aufgestellt worden war, erkannte man, dass die Schulden gewaltig angewachsen waren, und man zur Tilgung derselben gezwungen sei, Körich zu verkaufen. Dies geschah denn auch wirklich am 4. Mai 1739, wo die Herrschaft mit allen Dependenzien und Rechten für die Summe von 25 000 Talern auf den Freiherrn und nachmaligen Grafen Lambert- Josef de Marchant, Herrn zu Ansemburg, überging.

 So verlor das Haus Rollingen sein letztes Familiengut im Eischtal.

. So endete die Rollinger Herrschaft im Herzogtum Luxemburg. Obgleich die letzten Abkömmlinge dieser altadligen Familie nun im Auslande wohnten, so hing ihr Herz doch noch immer an ihren früheren schönen Besitzungen im Eischtal. Besonders schmerzte sie der Verlust von Simmern, wo ihre Ahnen drei Jahrhunderte geherrscht hat- ten. Noch im Jahre 1743 erhob Maria-Theresia Knebel von Katzenellenbogen Ansprüche auf den Rollinger Teil von Simmern. Aber der Freiherr Lambert-Josef de Marchant d'Ansembourg, der damalige Besitzer dieses Teiles, legte ihr eine Urkunde vor, in der Lothar-Friedrich Verzicht auf den benannten Teil geleistet hätte. Maria-Theresia stellte die' Authentizität der Urkunde in Zweifel und strengte einen Prozess an, der fünf Jahre dauerte. Der Ausgang desselben war, dass der Herr von Ansemburg im Besitze des Rollinger Teiles der Herrschaft Simmefn blieb. Das andere Viertel der Herrschaft Simmern aus dem Hause von Rollingen war schon längst auf dasjenige von Pallant übergegangen. So verschwand die Familie von Rollingen auf immer aus dem Eischtal, und ihr Name gehörte nur mehr der Geschichte an. M. G. i


aus dem Luxemburger Wort 08.10. 1943

Der Prozess wegen der Doppelherrschaft Körich.
In der Pfarrkirche zu Körich fand Peter Ernst von Rollingen, dessen Familie eine große Rolle im Eischtal spielte, neben den Gebeinen seiner Gemahlin Anna von Pallant seine letzte Ruhestätte. Dessen Vater Jakob IL, fügte zu den bedeutendsten Besitzungen, die er geerbt hatte, die Herrschaft Körich hinzu. Körich bildete eine Doppelherrschaft: das Grewenschloß mit seinem Zubehör und das sogenannte Fockengut, dessen herrschaftliche Wohnung, mit Ausnahme der Fundamente, gänzlich verschwunden ist. Im Jahre 1580 erwarb Jakob II. durch Kauf die Grewenherr schaft von Johann von Landscheid und dessen Gemahlin Margareta von Elter. Kaum aber hatte der neue Schlossherr Besitz von dieser Landschaft genommen, als er wegen der Ausübung der hohen Gerichtsbarkeit in Streit geriet mit Dietrich-Georg Fock von Hübingen, dem Inhaber des Fockengutes,  dessen Lehnsherren damals die Criechinger von Simmern waren und das auch in mancher Hinsicht von den Herren des Grewenschlosses abhängig war. Es entstand dar aus ein Prozess, der vor dem Obergerichtshof zu Mecheln anhängig gemacht wurde. Der Urteilsspruch, dem sich beide Parteien zu unterwerfen - hatten, erfolgte am 17. Mai 1582. Unterdessen war Dietrich-Georg Fock gestorben und seine beiden Töchter Barbara und Klaudia teilten  sich in die Hinterlassenschaft ihres Vaters, so dass eine jede von ihnen die Hälfte des Fockengutes erhielt. Gegen eine Summe von 16 000 Lothringer Franken überließ der Gemahl Barbaras dem Jakob von Rollingen seinen Anteil, der jedoch zwei Jahre Später durch Kauf auf Ludwig von Nassau, Klaudias Gemahl, überging, so dass dieser von nun an Alleinbesitzer des Fokkengutes war. Damit nun hinfüro keiner der beiden Schloßherren in die Rechte des anderen eingreife, kamen dieselben unter sich überein, ihre gegenseitigen Rechte und Pflichte ein für alle Mal zu bestimmen. Es geschah dies am 2. August 1601 durch einen auf Grewenschloß von beiden Parteien unterzeichneten  Akt.

Quelle: www.eluxemburgensia.lu

 

BRIEF AUS KOERICH

im Tageblatt 1949- 08- 27

Körich es ist eigentlich eine banale Feststellung  ist eine der ältesten Ortschaften des Landes, Gerade wie Simmern stand sie während rund 800 Jahren als Hörigengengemeinde  im Dienste mächtiger Herrschaften. Bis heute haben beide noch ihren mittelalterlichen Charakter behalten. In einer Talmulde eingeschlossen wird es nach Norden, durch den mächtigen  „Herrenbusch" beschützt, der für alle Konstruktionen das Holz lieferte; zu den andern drei Seiten dehnen sich fruchtbare Felder aus. Das GrevenschloB  (GrafenschloB), das einer bekannten Sage gemäß  auch SigfriedsschloB  genannt wird, soll aus dem  X. Jahrhundert stammen. Es handelt sich um eine Tiefburg wie die von Pettingen und Autel-Pas. Anfangs bildete dieses Schloss ein einfaches Quadrat mit einem zweiteiligen Innenhof. Es war umgeben von 3 Meter dicken und 15–20 Meter hohen Mauern. Der Diensthof begriff den Burgfried, ̃ auch..Hexenturm" genannt, die Stalle und Nebengebäude, der Haupt Hof die Wohnräume der Burgherrn und die Michelskapelle. Der Burgfried, der 12 Meter im Geviert hat, überragte den ganzen Bau. Die Dicke seiner Mauern beträgt 3 Meter. Seine ursprüngliche Hohe lässt sich nicht mehr bestimmen, da der obere Teil längsten abgetragen ist. Das Eingangstor war mit einem schweren Fallgitter versehen. Ein Wassergraben von 10-1Z Meter umgab das Schloss. Die Eingangstüre zum Turm befindet sich fünf Meter über dem Boden und konnte nur vermittelst einer Leiter oder Fallbrücke erreicht werden. Wenn die Frösche anfingen zu quaken, mussten jede Nacht eine Anzahl  Hörige aus  Kôrich  und Umgebung bis zum Morgengrauen mit Ruten ins Wasser schlagen, damit die Herrschaft  schlafen konnte. Zum Schlosse selbst gelangte man nur über eine schmale Zugbrücke. Von 1303 an wurde die damalige Burg noch etwa viermal umgebaut und zu einem Luxusschloss  umgewandelt. In den jetzigen Ruinen, die augenblicklich  von Staats wegen die notwendigsten Reparaturen erhalten, und die dem Herrn Baron de Wykersloth aus Bruxelles gehören, ist leider-, außer über den» Eingangsportal, die sich befindliche Jahreszahl 1303 und das über der Kapelle sieh befindliche  monumentale Kamin mit der Jahreszahl 1585, nichts Bemerkenswertes mehr zu sehen. Das Schloss bleibt trotzdem ein Charakteristikum des Eischtals. Eine Beschreibung des Schlosses finden wir in den alten Archiven. unterm Datum vom • 24. April 1765 und die, «anscheinend aus finanziellen Gründen, von dem Mayern, Schöffen und Dorfaltesten aufgestellt worden und die folgendermaßen beginnt: Erstlich ist Gravenschloss  gelegen im Dorf  Koerig, zwischen dem Wasser und dem gemeinen Weg, in Ort, in der stehing  genannt, ziemlich der Sonnen genießend, ist ringsherum. mit einer ungleich grösser  und hoher Mauer von 12, 15, 20 und auch bis auf 30  lambertinischen  Schuhe in die hohe umgeben; errmelt Mauer ist alt und in vielen Örtern baufellig, in etlichen auch erneuert; ermelte um gemelten schloss Vorhof rings herum gemessen, inhaltet 1350 lambertinische Schuhe in die lange usw. (1 lambertinischer schuh ist 0,32484 Meter). Das Schloss war noch sehr gut erhalten, doch in seinem Äußern vernachlässigten. Bis vor kurzem, wie schon mitgeteilt, befanden sich diese Archive die nicht allein  wichtig für die Koericher Geschichte, sondern für eine größere  Anzahl Ortschaften unseres Landes sind. wie u. a. Colpach, EU usw. im Besitze des Herrn Fernand von Guirsçh, der sie dem Arloner Archiv nicht, wie wir irrtümlicher Weise berichtet, geschenkt, sondern zur Aufstellung und Veröffentlichung eines genauen Inventars, zur Verfügung gestellt hat. Sie können auch im dortigen Lesesaal konsultiert werden. Von einem zweiten Schloss, von dem gegen 1266 die Rede geht, und das gänzlich verschwunden ist, fand man vor dem Kriege Grundmauern, als dort ein Haus errichtet wurde. Es hieß  FockenschloB, an das heute noch der ,,Fockegârd" erinnert. Da es einige Zeit im Besitz der Herren von Nassau-Vianden war, wurde es auch Nassauer Schlass  genannt. Deren Wappen waren dieselben wie die  unseres großherzoglichen  Hauses. Nach und nach entstand  in Korich eine größere Siedlung so schnell man des Morastes  Herr wurde. Trotz allem haben heute noch verschiedene Straßen etwas Morastiges an sich, was übrigens die höheren, dort gelegenen Häuser erkennen lassen. Nicht zu vergessen ist die monumentale Kirche, die einen großen architektonischen Wert hat.  Besichtigens wert  ist das .sogenannte ,,Biwesch  Haus, das von dem Schnitzer meister Frédéric K Biver aus Koerich- im Jahre 1753 erbaut wurde und von ihm selbst seine Inneneinrichtung erhielt. Auch das Dach, das Gesimse, sowie die große mit einem Schutzdach versehene Öffnung zum Getreide einholen ist seine Arbeit. Das Haus ist augenblicklich von der Familie Henn bewohnt. Zu erwähnen bleibt noch, das Biver mit einem gewissen André Doyé aus Diekirch fast das gesamte Mobiliar herstellten. dass sie in schwerer Arbeit den harten knorrigen Eichen Stämmen  der  heimatlichen Wälder Mit Beil und Schnitzmesser abkämpfen mussten,  um ihnen Leben und graziöses Beschwingtheit zu verleihen. Sie taten es auch in einer so originellen Weise, dass ihrer Arbeit der Wert einer schöpferische» Leistung nicht abgesprochen werden kann. So wie die zähen Eichen des  "Herrenbusçhes"  ist auch die Bevölkerung  zäh und bodenstündig, was mit sich bringt, dass man dort verhältnismäßig  alle Leute in größerer Zahl wie in den Nachbarortschaften antrifft. Vor kurzem wurde wieder eine dieser Ältesten Personen zu Grabe getragen, Frau Witwe Haller-Kap, im Alter. von 75 Jahren Vor 1 1/2 Jahren ging ihr Ehegatte, Privat Förster beim Herrn Baron de Wykesloth, ihr im Tode voraus. 14 Kindern hatte sie das Leben geschenkt, von denen dreizehn an ihrer Bahre trauerten, Mit ihrem Ehegatten verschwand der letzte Privat Forster der Gegend. Um die Jahrhundertwende zahlte die Gegend noch sechs Förster einen Österreicher, namens Cheggar, im belgischen Sterpenich bei H. Conte de Berlaymont, H, Gelz, in Steinfort-Schwarzenhof, bei der Familie Collart. der ebenfalls vor einigen Jahren aus dem Leben geschieden ist, sowie  H. Haler; sodann die drei jüngeren  Staatsförster in Schweich, Hobscheid und Koerich. Wenn diese sechs gelegentlich gemütlich, nach getaner Arbeit, zusammen saßen-, -und mit ihren Schokings, munter drauf losqualmten, übertrumpfte das Försterlatein bei weitem den Schockingsrauçh. Da zur Römerzeit in Koerich; wie schon erwähnt, sich ein kleines Kastell  befand, das die Verbindung mit der  großen  Heerstraße  Reims-Trier in Steinfort über ein ,,diver ticulum", einen Seitenweg, fuhrt*. Alte Namen scheinen .heute noch darauf zu deuten. Von  Gôblingen nach Koerich geht der ..Stengerches Wé"; der ,,Weide Wé".  Wo der Bach sich hinzieht, in der Nähe der Burgruine, heisst der Ort ,,am Furt". Dort befand sich, ebenso wie in Steinfort, eine steinerne Furt, die zur andern Seite über den ,,Sténesch Wé" nach Hagen und Steinfort hinführte. Stengerches Wé und Sténesçh Wé bedeuten wohl dasselbe und zeigen darauf hin, dass  hier zur Römerzeit ein mit Steinen belegter Weg bestand. Zur Keltenzeit  mag übrigens schon eine Siedlung in Koerich gewesen sein, da in der ,,Schockenhöhle", die auf dem Wege nach Windhof gelegen ist, Überreste  eines kleinen Schmelzofens gefunden  wurden. Ein anderer Weg verband Koerich mit Arlon, worauf zur Steinforter Seite hin beim ,,Fraschtenhof" der Name ,,Areler Grund" und etwas weiterhin die Bezeichnung ,,Areler Bierg" hinweisen. Der ,,Kie‘m''  Arlon-Steinfort wurde nach und nach verlassen und ersetzt durch diese  Seitenwege, wie es auch links von der Strasse Steinfort-Arlon der Fall war und der Weg über Niederelter-Barnich-Sterpenich  fuhrte  Weshalb hat man übrigens unter Maria-Theresia die alte Römerstrasse nicht benutzt, was doch an manchen Stellen das Verschieben von Boden sowie das Anlegen von Schluchten durch harte Felswände vermieden hatte, da selber sich durch das Tal hinzog?

Eine andere interessante Wegebezeichnung erscheint uns noch erwähnenswert: "um  Randlinger Wé". Dieser. im Laufe der Jahrzehnte teilweise zum Feldwege herab- gesunkene teils verschwundene Weg, da er links der Luxemburger Straße  im  Felde verläuft, hat des eigenartige Merkmal, dass  er den Namen einer Ortschaft weiter tragt, die noch besteht, aber den Namen eingebüßt hat. Randlingen ist nämlich jener Hauser komplex, der bei Hagen rechts der Eisch gelegen ist und dessen Verbindung mit der Luxemburger Straße seine natürliche Fortsetzung im ,,Randlinger Wé" findet. Aus  unserm Sagenschatz des Eischtales, des reichsten des ganzen Landes, da er über 200 Sagen enthält, die wir zusammengetragen  haben  von Küntzig  bis nach Mersch,  wollen wir einige interessante Spécimen bringen: (Bmr. Er enthalt genau dieselben Kapitel wie Gredt's Sagenschatz),

In Koerich befanden sich zwei Burschen des Nachmittags auf dem Felde und schnitten Hafer. Plötzlich sahen sie eine dicke, garstige Kröte vor sich, die  immer von einer Seite zur andern sprang und sich stets in gleicher Entfernung von den Sicheln der Schnitter hielt. Keiner der beiden jungen Leute tat dem abscheulichen jungen Tier  etwas zu Leide; nur zuweilen. wenn es  sitzen blieb und die Schnitter mit seinen  ekelhaften Augen anglotzte, neckte der jüngere der Bursche n, ein mutwilliger und unerschrockener Junge, das Tier. indem er sagte ,,Mou'ek, da! Mou'ck da!" ,,Lass die Kröte ruhig". sagte der andere. "Mit dem Tier da scheint nicht alles richtig zu sein, und du wirst noch für deine Neckereien büßen  müssen!"  ,,Ach was! Dummes Zeug! Was sollte ich von solch einem dummen Vieh zu befürchten haben!" entgegnete der andere und fuhr mit seinen Neckereien fort. Spät am Abend kehrten die Schnitter heim. Nach dem Abendessen begab sich jeder zu Bett. Nur der jüngere wollte nicht und zog es ausnahmsweise vor, auf dem Heuschober zu schlafen. Als er am andern Morgen erwachte, hatte er den Mund ganz auf der andern Seite. 'So scheußlich war das Gesicht des armen Burschen entstellt, dass man sich mit Ekel von ihm abwandte. Am sonderbarsten an der ganzen Sache war der Umstand, dafür der junge Mann nicht einmal sagen konnte. wie das alles gekommen war. Natürlich «prahlte der andere Schnitter nun, welches' Abenteuer sie  tags zuvor  mit der Kröte gehabt hatten. Kein Zweifel  mehr, der Junge war verhext. Um  diese Zeit wohnte zu  Wormeldingen  ein  Klausner-. Diesen bat der Schnitter- um  «Hilfe. Der: Klausner war. sogleich dazu bereit.  Während er  über  den jungen Mann gebeugt war, trat eine .verschleierte Frau ins Zimmer, welche der "fromme Mann aufforderte dem Gesichte des unglücklichen jungen 'Bürschlein seine frühere  Gestalt wiederzugeben. Nachdem dies geschehen war, fragte der Klausner  den jungen Mann. ob er das Gesicht der verschleierten Frau sehen wolle es sei dieses Weib, die Kröte aus dem Haferfeld, die Hexe, die ihn so widerlich entstellt. und die hebe. herbeikommen müssen, um ihn von dem angehexten übel  zu befreien. Der junge Mann aber, war froh, dafür das er geheilt war und verzichtete darauf, das Gesicht  des verschleierten Weibe» zusehen, weil er fürchtete, es mochte eine bekannte Person aus seinem Dorfe sein.

Zu Koerich', in der Nähe des Schlosses. geht alle sieben Jahre ein weißes Pferd mit goldenem Sattel um. Das ist eine verwünschte Prinzessin, die nur dann erlöst wird, wenn ein Jüngling es besteigt und reitet. Schon oft hat ein braver Jüngling das Wagestück unternommen und das Pferd bestiegen; aber jedes Mal ist der Schimmel mit ihm auf Nimmer wieder- sehn davon geritten. Rein genug von ihnen ist keiner gewesen.

Ein Arbeiter kehrte einst zur Geisterstunde in Begleitung seines Hündchens von Koerich nach Hause zurück. Als er in die Nähe der Schlosswiese kam, sah er auf denselben einen hell erleuchteten geräumigen Tanzsaal. In der Mitte desselben stand eine sehr hohe Gestalt mit Bocksfüssen  und mit einem langen braunen Überrock angetan. Diese .Gestalt schwang hoch in der Rechten ein goldenes Zepter und dirigierte damit die Bande der Musikanten, auf deren herrliche und wundersame Melodien eine unzählige Schar lustiger Gestalten sich' mit rasender Schnelligkeit im Saale herum bewegten. Bangen und Grausen ergriff unserm Mann beim 'Anblick dieses seltsamen Schauspiels. Er füllte seine beiden Taschen mit Steinen und suchte so schnell wie möglich fortzukommen. Als er an dem Tanz Saal  vorbei  war, gewahrte er, dass  sein Hundchen ihm nicht nachgekommen war. Er schaute sich nach ihm um und sah, wie es neben dem Takteschläger im Tanzsaal stand und ihn anbellte. Der Mann mochte rufen, wie er wollte, sein Hündchen kam nicht. Erst, als er am andern Morgen aufstand und vor die Türe trat, sah er es auf der Türschwelle sitzen, aber ganz entstellt. Keine Spur von Haar war mehr an seinem Körper zu sehen

Quelle:www.eluxemburgensia.lu

 

 aus dem Luxemburger Wort 1935 09 28

Versteigerung

Amtsstube des Notars Léon Bourg, Cap. Bedeutende öffentliche Versteigerung des großen Waldes gen. ,Herrenbusch', einschließlich des darin vorhandenen Steinbruches für Hausteine, sowie Acker, Wiesen und Weideland zu Koerich (Café Christophe). Am Dienstag, den 15. Oktober 1935, um 1 Uhr nachmittags, werden die nachbeschriebenen vom Schloßgute Koerich abhangenden Immobilien, nämlich: a) der unter dem Namen..Herrenbosch" bekannte. Wald» begreifende. Hochwald und Tannen, gelegen auf dem Gebiete der Gemeinden Koerich und Simmern mit einem Gesamtareal von 231 Ha. 54 Ar 80 Centiar, b) Acker, Wiesen und Weideland, Bann Koerich, mit einem Gesamtflächeninhalt von 43 Ha 13 Ar 70 Centiar, öffentlich versteigert. Der zu versteigernde Waldkomplex ,,Herrenbusch" liegt 15 Kilometer von Luxemburg und 10 Kilometer von Arlon entfernt, an der Landstraße Koerich-Simmern, Hobscheid-Simmern, Steinfort- Simmern, ist durchschnitten von den öffentlichen Wegen Goeblingen-Simmerschmelz, Nospelt- Simmerschmelz sowie von zahlreichen Privatwegen und besitzt bequeme Abfuhrwege nach allen Richtungen. Die Versteigerung geschieht in 20 Losen, einzeln oder zusammenhangend auf Wunsch der Liebhaber und werden Plan und Aufnahme des Waldbestandes in Festmeter auf Wunsch allen Interessenten zugesandt. Los 10 weist einen Jahrhunderte alten Steinbruch mit hoher Felswand auf und eignet sich besonders für Bauunternehmer. Zur Besichtigung wende man sieh an Herrn Prosper Haler, Privatförster zu Koerich. bei welchem auch eine vollständige Liste des Waldbestandes in Festmeter zur Einsicht offen liegt. Für Auskünfte und Offerten sich wenden an Hrn. Alexandre 60, rue de la Prévoyance. Bruxelles (Te lephon 12-52-94 oder 12-77-49) oder an den unter fertigten Notar. 4601 Cap, den 15. September 1935. Léon BOURG, Notar.

Quelle :  www.eluxemburgensia.lu

VON DER EISCH

Artikel im Tageblatt 1948

Aus Körichs vergangenen Tagen
Im Gegensatz zu den Gemeinden Steinfort und Hobscheid, die sich teils unter dem Einfluss der Verhältnisse (Freiheits- Urkunden). teils durch die Entstehung verschiedener Industrien zu modernen Agglomerationen entwickelt haben, behielten die Gemeinden Koerich und Simmern, die nicht nur völkisch, sondern auch wirtschaftlich und räumlich rund 800 Jahre lang als Hörigen Gemeinden im Dienste mächtiger Herrschaften standen, größtenteils ihren mittelalterlichen Charakter, den sie heute noch aufweisen. Beide sind im oberen Eischtal die Haupt- Anziehungspunkte auf dem "Pfad der 7 Schlösser". Der Bach der murmelnd seine Wasser am Fuße des geborstenen Gemäuers des Grevenschlosses in Koerich vorbeiführt, war seinerzeit ein unbändiges Kind. Damals war die Talmulde nur ein großer Morast, aus dem, wie die Überlieferung berichtet, ein römisches Kastell hervor- ragte.. Eine Beschreibung dieses Grevenschlosses mit seinen Dependenzien, Eingangstor, Pförtnerwohnung, Vorhof, Gärten, Taubenschlag, Scheune. Pferd-, Kuh- und Hühnerstall, Bäckerei, Michelskapelle etc. finden wir in den Archiven von Guirsch unterm Datum vom 24. 4. 1765. die von den Mayern, Schöffen und Dorfältesten aufgestellt wurden. Das Schloß war noch sehr gut erhalten, doch in seinem  Äuβern vernachlässigt. Die Beschreibung beginnt folgendermaßen: Erstlich ist Groevenschloss gelegen im Dorf Korig, zwischen dem Wasser und dem gemeinen  Weg. im Ort, in der Stelling" genannt, ziemlich der sonnen genießend; ist rings herum mit einer ungleich großer und hoher mauer von 12, 15, 20, und auch biss auf 30 Lambertinische schuhe in die hohe umgeben; ermelt Mauer ist alt und in vielen Örtern baufällig, in etlichen auch erneuert, ermelte um gemelten Schloss und Vorhof rings herum gemessen, in- haltet 1350 lambertinische schuhe in die Länge usw. Damaliger Besitzer war Lambert-Josef de Marchant, der kurz vorher, am 1. 10. 1749 von Marie-Theresia in den Grafen- stand, während die Herrschaft Koerich zu einer Grafschaft, erhoben worden. Ob- gleich Lambert-Josef Besitzer der Doppelherrschaft Koerich war, verlegte er seinen Wohnsitz nicht dorthin, sondern hielt an dem Schlosse seiner Ahnen zu Ansemburg fest. Da zur Römerzeit in Koerich sich ein kleines Kastell befand, ist es natürlich, daß von dort aus nach Steinfort zur groβen Heerstraße Arlon Trier ein diverticulum, ein Seitenweg, führte. Alte Namen deuten anscheinend noch heute dar- auf hin. Von Goeblingen nach Koerich geht der “Stengerches We", der "Weide We". Wo der Bach sich hinzieht, in der Nähe. der Burgruine, heißt der Ort am "Furt". Dort befand sich ebenso wie in Steinfort eine steinerne Furt, die zur andern Seite über den "Stenesch We" nach Hagen u. Stein- fort hinführte. Stengerches We und Stenesch We bedeuten wohl dasselbe und zeigen darauf hin, daß hier zur Römer- zeit ein mit Steinen belegter Weg bestand. Zur Keltenzeit mag übrigens schon eine Siedlung in Koerich gewesen sein, da in der “Schocken Höhle", die auf dem Wege nach Windhof gelegen ist. Überreste eines kleinen Schmelzofens gefunden wurden. Ein anderer Weg verband Koerich mit Arlon, worauf zur Steinforter Seite hin beim "Fraschtenhof" der Name "Areler-Gronn" und etwas weiterhin die Bezeichnung "Areler Bierg" hinweisen. Der "Kiem" Arlon Steinfort wurde nach und nach verlassen und ersetzt durch diese Seitenwege, wie es auch links von der Straße Steinfort-Arlon der Fall war und der Weg über Niederelter-Barnich- Sterpenich führte. Weshalb hat man übrigens unter Marie-Theresia die alte Römerstraße nicht benutzt, was doch an manchen Stellen das Verschieben von Boden sowie das Anlegen von Schluchten durch harte Felswände vermieden hätte, da selbe sich durch das Tal hinzog? Der Morast inmitten der Ortschaft Koerich, der von dem "Fockegart" dem Abhang, wo man bis Mitte des vorigen Jahrhunderts noch Mauerreste des Fockenschlosses fand, und der bis an den Fuß des Hügels stieß, der die Kirche trägt, sich bis zur heutigen Gastwirtschaft Decker mit dem alten "Brauhäuschen" des Schlosses hinüberdehnte, war zur Errichtung von Häusern natürlich hinderlich, so daß die Hänge an den erwähnten alten Wegen entlang, und zwar auffallender Weise mit der Vorderseite nach Süden bebaut wurden. Diesem Umstande mag auch die in der Siegfrieds- sage enthaltene Bedingung zu verdanken sein, die Siegfried dem Teufel stellte, als er ihm seine Seele verschrieb, und die darin bestand, eine schnurgerade Straße .von Koerich nach dem Bockfelsen zu bauen, die auch nicht die mindeste Krümmung haben dürfe und mit Wacken gepflastert sein müsse, damit sie nicht staubig und kotig würde, so daß der Graf sein Vieruhrbrot in Koerich und das Abendessen in Luxemburg einnehmen könne. Eine andere interessante Wegbezelchnung erscheint uns noch erwähnenswert: "Um Randlinger We". Dieser im Laufe der Jahrzehnte teilweise zum Feldwege herabgesunkene, teils verschwundene Weg, da er links der Luxemburgerstraße im Felde verläuft, hat das eigenartige Merkmal, daß er den Namen einer Ortschaft weiter trägt, die noch besteht, aber ihren Namen eingebüßt hat. Randlingen ist nämlich jener Häuserkomplex, der bei Hagen rechts der Eisch gelegen ist und dessen Verbindungsweg mit der Luxemburger Straße seine natürliche Fortsetzung im "Randlinger We" findet. Der Sage nach ist Koerich die Wiege Luxemburgs. Wenn es auch manchen Koericher verdrießen mag, daß Siegfried nicht dort gewohnt hat, so mögen alle stolz sein auf die bewundernswerten Zeugen vergangener Zeiten, um die manche Großstadt oder manches Museum sie beneiden könnte und die sie ihr Eigen nennen dürfen. A. B.

Quelle:   http://www.eluxemburgensia.lu

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das Gréiveschlass und die Schlösser von Bourscheid und Brandenburg aus der Vogelperspektive

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